Selbsterkenntnis – Autogynophilie

Spieglein, Spieglein… Zeig mir mein Liebchen

Zu den schönsten, aber auch schrecklichsten Erkenntnissen der Freiheit zählt sicher die Tatsache, dass man niemanden wirklich für sein Leben verantwortlich machen kann, wenn man seine Freiheit anerkennen will. Und ich spreche noch nicht einmal davon die Freiheit zu erkämpfen. Es geht um grundsätzliches. Den Grundsatz wirklich autonom zu sein. Und autonom sind Du und ich, wenn wir unser Handeln in uns begründen, denn wir handeln und entscheiden.

Natürlich ist es ungerecht dem Hund seinen Sabber vorzuwerfen, wenn das Glöckchen klingelt. Und es ist auch recht naiv davon auszugehen, dass es keinerlei Propaganda geben sollte und wir in der freiesten Gesellschaft lebten, in der Deutsche je sah. Da aber weder Du noch ich Hunde sind und Propaganda für sich nur Worte oder Zaubersprüche, beschränken wir uns mal auf den einzelnen – auf die Wirkung zum Beispiel in mir.

Betrachten wir also mal mich. Das ist gar nicht so einfach, weil mein Selbst unter einer Fülle von Zweibelschalen verborgen liegt, die ich mir im Laufe meines Lebens so überzog. Man spricht hier gerne von Rollen, manche sagen Personen. Diese Rollen bestehen aus Handlungslogiken. Wenn dies, dann das. Ich wollte, weil… Der übliche BlahBlah halt oder? Genau was im Kopf so abgeht, wenn wir beide überlegen, was wir jetzt tun sollen.

Sind wir falsch abgebogen, dann ist es leicht, die Schuld in diesen Empfehlungen zu suchen. Doch an jeder Kreuzung, an jeder Abbiegung oder auch, wenn wir einfach gerade aus in den Graben fahren, entscheiden wir selbst, weil wir nichts tun. Es mag sein, dass wir alles laufen lassen, obwohl alles aufschreit. Es mag sein, dass wir bei einer Entscheidung nicht auf unser Herz hören. Es mag sein, dass wir auf eine Emotion oder Sucht hören, die aufgrund von Wortmagie so gross wurde. Es mag sein, dass wir sabbern, weil das Glöckchen klingelt, aber wir entscheiden, wenn auch nichts zu tun. Oft allerdings entscheiden wir gegen unser Herz und gegen ein inneres Gefühl, welches wir innerlich überbrüllen.

Ein Wegweiser zu mir selbst, ein Schlüssel zu meinem Kern, war das schöne Wort Autogynophilie.

  • Auto – Selbst
  • Gyn – weiblich
  • philia – Zuneigung

Nur um sicher zu sein, dass Du das jetzt nicht mit Selbstliebe verwechselst, denn das wäre etwas sehr schönes: Es handelt sich um die Freude am Weiblichen an Dir selbst. Dieses Weibliche muss dabei erst einmal gar nicht da sein. Es heisst deswegen auch explizit, also betont nicht: Die Freude am Weiblichen in Dir selbst. An Dir kannst Du viel weibliches schaffen. Hast Du schon vom folgenden Gedanken gehört?

Wenn mich schon keine will, dann mache ich mir selbst die Frau.

Auf Wikipedia, dem öffentlichen Portal, wenn Du mal wissen willst, was gelten soll, steht dazu folgende Kritik.

Das Modell ist umstritten und widerspricht dem heute überwiegend akzeptierten Modell der Geschlechtsidentitätsstörung. Es beschreibt weder das Verhalten noch die Selbstwahrnehmung vieler Transfrauen angemessen.
Weil die von Blanchard untersuchten Korrelationen keine Kausalität belegen können, wird gelegentlich angeführt, dass Blanchard ein Symptom der Geschlechtsidentitätsstörung mit deren eigentlicher Ursache verwechselt habe. Zudem führt das Fehlen von Kontrollgruppen in Blanchards Arbeiten auf die Frage nach den Unterschieden zwischen bisexuellen, lesbischen und asexuellen Trans- und Cisgender-Frauen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Autogynophilie


Es sei also umstritten, weil es vielen Transfrauen widerspräche. Übersetzt kann das bedeuten, dass Streit wegen dieser Beschreibung entfacht werden soll, weil es eine Rolle für Menschen, genannt Transfrauen gibt. Dieser Rolle folgen viele Menschen und fühlen sich dadurch gut beschrieben und sie leben anscheinend gut damit. Diese Lage wäre durch diese Beschreibung gefährdet. Häh? Was?

Gut. Es gibt transsexuelle Menschen. Ich gebe Dir aber Brief und Siegel, dass sich Transsexuelle wegen dieser Beschreibung sicher nicht beleidigt fühlen, denn sie empfinden keinerlei Leid, wenn sich das Verhalten von einigen Menschen derart erklären lässt. Transsexuelle empfinden keinerlei sexuelle Empfindung, Geilheit, wenn sie sich selbst im Spiegel, womöglich in HighHeels oder anderen aufreizenden Klamotten sehen. Transsexuelle empfinden Leid, wenn Du behauptest, sie hätten Autogynophilie.

Du fragst Dich jetzt vielleicht, wie auch ich lange Zeit, wo denn dann das Problem sei. Das Problem ist ganz einfach, dass die Autogynophilie tabuisiert werden soll.

Wenn Du Dich umschaust, siehst Du überall irgendwelche Leidensgeschichten von jahrzehntelangem Zweifeln, von Gefangenschaft im eigenen Körper und von Folter. Arme Opfer halt.

Siehst Du je irgendwo den sexuell aufgeladenen Mann, der diesen Druck dadurch abbaut, indem er sich selbst im Spiegeln ansieht und dabei onaniert? Warum wohl sieht man das nie? Klarerweise, weil das ein armseliges Bild über diesen Menschen abgibt und vielleicht ein schlechtes Vorbild für Kinder darstellt. Oder?

Und genau deswegen zeigt man ständig alte Menschen, die sich völlig fertig und seelisch gescheitert kastrieren lassen, um dann nur noch in Selbsthilfgruppen auf die Strasse zu können und ansonsten einsam und sogar von Kindern verlassen in ihrer Sozialwohnung darhin darben. Aber da ist ja die Gesellschaft schuld. Beim ersten Fall der Mann selbst. Klar oder?

Langsam nähern wir uns dem Problem: Wenn Du in Schubladen lebst, vor lauter Zwiebelschalen und vorgefertigten Rollen Dein inneres Selbst gar nicht mehr kennst, immer unterdrückst, ihm keinerlei Achtung mehr schenkst (Beachtung, Selbstachtung ist nicht Selbstwertgefühl!), dann versuchst Du nach der Dir gefälligen Rolle zu leben. Diese muss nicht passend sein, denn Du hörst nicht mehr auf Dein Innerstes und wehrst Aufschreie als Lebenszeichen Deines inneren Schweinehundes ab.

Du willst es einfacher erklärt? Du willst keine armselige Gestalt sein, die sich vor dem Spiegel erleichtert. Du siehst aber, dass Du gerne eine Frau darstellst. Eine Transe magst Du nicht sein, dann doch lieber ein Transgender. Den Sex kannst Du unterdrücken. Wer war hier gleich wieder armselig?

Jetzt bleibt nur noch die Frage, wie man das jetzt alles unterscheiden soll.

Da arbeite ich dran. Ich erkenne Stück für Stück, was wirklich in mir war und was in Verbindung mit meiner falsch verstandenen Sexualität stand. Stück für Stück wird mir das klarer. Der sexuelle Trieb kann so dümmlich umdefiniert werden, sodass er alles überstrahlt. Eingepackt in willkürlich sozialisierte Rollen und übersetzt in ein falsch verstandenes Selbst als Transsexuelle sind die Konsequenzen radikal und unumkehrbar.

Einfacher gefällig? Gerne: Wenn Du unter Autogynophilie lebtest, erledigt sich das einige Zeit nach der OP. Dann verschwindet auch der letzte Ansatz eines Wohlgefühls durch die Frau an Dir, weil die Libido nicht mehr vorhanden ist und die Erinnerung daran verblasst. Du gehörst dann zur in Wikipedia vermissten Kontrollgruppe. Was bleibt ist das wirkliche in Dir: das männliche. Vielleicht männlicher als davor.

Kanada soll ja sehr schön sein. Vielleicht schau ich mal vorbei. Das Glöckchen klingelt ja nicht mehr. Jetzt rufen meine Ahnen.

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