Hormone – viele kleine bunte Smarties?

Oder: unbeachtete Nebenwirkungen

Je länger man sich ausserhalb der Echokammern, also Foren, Selbsthilfegruppen und – ja! – auch den Psychologen bewegt, desto eher kommt das eigene Ich wieder zum Vorschein. Dann erst entscheidet sich, ob man auf dem richtigen Weg war oder nicht. Insofern werden dem folgenden jetzt sicher wieder zahlreiche ehemalige Transsexuelle…

Ach was lassen wir das in Zukunft einfach.

Also Transsexuelle werden dem folgenden vielleicht nicht zustimmen wollen oder auch nicht können. Vielleicht nehmen sie die Wirklichkeit ganz anders wahr. Oder die Mechanismen sind bei ihnen einfach ganz andere. Eventuell sind ihnen die folgenden Aspekte durchaus bewusst, aber einfach nicht wichtig genug, sodass sie es einfach schulterzuckend in Kauf nehmen.

Aus einer aussenstehenden Perspektive sieht das ganz anders aus. Diese geht im grossen Pro und Contra unter und soll hier nun deswegen eingenommen werden. Wir werfen also einen gänzlich anderen Blick auf einen relativ unscheinbaren und dennoch so wichtigen Teil im Leben einer Transsexuellen.

Lustige bunte Pillen

Wenn man sich in den Foren so umsieht und liest, worüber sich angehende Transsexuelle unterhalten, stehen gerade sie zunächst im Vordergrund: die Hormone und Blocker.

Nicht von allen, aber doch von hinreichend vielen werden diesen nahezu magische Kräfte zugesprochen. So würden die Füsse schrumpfen und man könne sicher mit 2 – 3 Schuhgrössen rechnen. Die ganze Statur und der Körperbau würden sich auf weibliche Formen ändern. Und einige Träumer gehen sogar davon aus, man würde auf eine frauliche Grösse schrumpfen.

Dies ist natürlich Unsinn. Richtig jedoch ist, dass man diese Medikamente als Zugang in eine weibliche Welt und Realität ansehen kann.

Nicht verwunderlich also, dass diese Pillen von angehenden Transsexuellen heiss begehrt werden und sich deren Hauptfragen zunächst darum drehen, wo man sie denn möglichst schnell herbekomme. Die Nebenwirkungen, wenn sie denn überhaupt angesprochen oder nachgefragt werden, beschränken sich dann rein auf den medizinischen Aspekt.

Verhaltensändernde Mittel – nicht immer zum Positiven

Dieser ist sicher enorm, weil mit diesen Mitteln in den Stoffwechsel des Körpers eingegriffen wird. Es können sich ua. Muskelwachstum, Haut, Haarstruktur und Knochenregeneration ändern. Letztere soll bitte nicht mit dem Knochenaufbau verwechselt werden, denn dieser ist im Erwachsenenalter unveränderlich und selbst bei Jugendlichen ist dieser nur noch schwach zu beeinflussen.

Enorm ist aber auch der Einfluss auf das Verhalten. Und hier soll jetzt wirklich zwischen Menschen unter positiven und Menschen unter negativen Effekt unterschieden werden.

Der negative Effekt zeigt sich in einem enorm zickigen und sehr reizbaren Verhalten. Manche Transen werden zu unberechenbaren Furien, die sich von allem möglichen angegriffen fühlen, mit ihrer eigenen Gefühlslage überhaupt nicht mehr umgehen können.

Es kann durchaus sein, dass man erst durch die Hormoneinnahme glaubt als Transsexuelle erkennbar zu werden und dadurch mit Angriffen rechnet.

Selbstgewählte Isolation

Angriff ist hier aber nicht die beste Verteidigung. Denn oft steckt hinter den Reaktionen der Umwelt nicht eine Abneigung gegen Transsexuelle an sich, sondern eher eine ganz normale Reaktion auf eine aggressive Grundhaltung.

Diese Haltung gekoppelt mit einem ausgeprägten Verfolgungswahn tut keiner Beziehung gut, weder der in der Familie, noch der in einer sexuellen Partnerschaft und auch keiner Freundschaft.

Eigene Vorurteile, als Transsexuelle würde man ständig und überall von Verfolgung und Missgunst benachteiligt, verhindern dann eine nötige Reflexion des eigenen Verhaltens, sodass man sich oft genug selbst aus den besten Freundeskreisen katapultiert, weil das eigene Verhalten “auf keine Kuhhaut mehr geht”.

Wenn es blöd läuft, steht man letztlich gänzlich alleine da und hat nur noch Selbsthilfegruppen, die nur die eigene Sicht kennen und diese dann bestätigen. Geschichten von Ablehnung der anderen aufgrund alleine der Transsexualität werden nur zu gerne für voll genommen, weil man sich selbst zu gerne in der Opferrolle genügt.

Lebenslange Abhängigkeit

Will man es so sehen, kann man die Transsexuellen aber tatsächlich in einer Opferrolle, zumindest in einer neuen Abhängigkeit sehen. Angekettet lebt sich glücklicher?

Dadurch, dass die Hormone in den Körper eingreifen, stellt sich dieser auch dementsprechend auf diese fremden Mittel ein und integriert diese fremden Wirkstoffe in den eigenen Ablauf. Selbst kann er diese jedoch nicht bilden und braucht diese Zugabe von nun an permanent.

Im Gegensatz zu Drogen oder zu Medikamenten nach Organtransfer wird sich ein langfristiges Absetzen zwar nicht sofort bemerkbar machen und man risikiert keinen kalten Entzug oder ein schnelles Organversagen, doch der Hormonhaushalt wird auf alle Fälle zumindest gewaltig durcheinander kommen.

Kann man sich bisher auf den Körper als Regulator des Hormonhaushalts verlassen, fällt dies von nun an aus. Und ohne jetzt viel Panik zu verbreiten, steht eine falsche Hormonmedikation im Verdacht folgende langfristigen Effekte zu verursachen: Herzinfarkte, Gewichtszunahme, Haarausfall, Osteoporose, MDS, …

Damit das nicht passiert, darf man regelmässig zum Endokriminologen gehen. Der kann zwar auch nie die vollkommene Einsicht in den eigenen Körper gewinnen. Nur durch Versuch und Irrtum in der Variation der verschiedenen Wirkstoffkonzentrationen und -klassen versucht dieser einen möglichst guten Haushalt hinzubekommen und kann sich dabei nur auf die ehrlichen Antworten zur Gefühlslage des Patienten verlassen.

Nicht nur nervig, sondern unfrei und unter Zwang

Hat man bisher also einen physiologisch gut und automatisch funktionierenden Körper, ändert sich dies mit den Hormonen. Gesund essen, trinken, ausreichend schlafen und normal bewegen, reicht dann eben nicht mehr aus, um dem Körper alles nötige zu geben.

Tag für Tag darf man von nun an an die kleinen Pillen denken und richtet seinen Tagesablauf danach ein. Ein grosses Stück Freiheit geht einem verloren.

Wer jetzt meint, das alles wäre ja nicht so schlimm, der mache einfach mal einen Versuch. Man nehme sich vor jeden Tag in der Frühe für sagen wir 2 Monate zu einer bestimmten Uhrzeit ein Glas Wasser zu trinken, es nicht zu vergessen oder irgendwann anders zu nehmen.

Man wird schnell merken, wie sehr das einen beeinflusst, die Freiheit beschränkt und irgendwann wirklich nerven kann.

Nimmt man das für einen Lifestyle in kauf, verliert der Lifestyle an Wert, wenn es denn noch nur ein Lifestyle ist.

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